22.12.2020

AWS und EWE bringen Gemeinschaftsunternehmen auf den Weg

Heiko Janssen (links) und Stefan Dohler (rechts) nach Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Gründung eines Joint Ventures

Heiko Janssen, Vorstandsvorsitzender der Aloys Wobben Stiftung und Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender EWE AG, nach Unterzeichnung einer Vereinbarung zur Gründung eines Joint Ventures.

Beide Partner unterzeichnen einen Vertrag zur Gründung eines Joint Ventures. Die Bestandsparks und Projekte von ENERCON und EWE werden in die neue Gesellschaft eingebracht. So entsteht der führende deutsche Produzent von klimafreundlichem Grünstrom.

Aurich/Oldenburg, 22. Dezember 2020. Die Aloys Wobben Stiftung, Alleingesellschafterin des Auricher Windenergieanlagenherstellers ENERCON, und der Oldenburger Energiedienstleister EWE sind der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zum Ausbau der Windenergie an Land einen entscheidenden Schritt näher gekommen: Die Partner unterzeichneten am Dienstag eine entsprechende Gesellschafter- und Investitionsvereinbarung. Darin ist festgelegt, dass beide Seiten je 50 Prozent der Anteile halten und die Bestandsparks und Onshore-Projekte von ENERCON und EWE in das künftige Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden. Ziel ist es, sich in den kommenden Jahren zu einem der größten Erzeuger von Grünstrom in Deutschland und Frankreich zu entwickeln und auch international zu wachsen. Vorgesehen sind Investitionen mit einem Gesamtvolumen von rund vier Milliarden Euro bis zum Jahr 2030. Sitz der Gesellschaft soll Aurich sein – geplant ist jedoch, dass die rund 200 Mitarbeiter in den Kernmärkten dezentral an mehreren Standorten, darunter Oldenburg, arbeiten. Der für das Frühjahr 2021 erwartete Abschluss der Transaktion steht unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Prüfung.

Heiko Janssen, Vorstandsvorsitzender der Aloys Wobben Stiftung

„Mit der Unterschrift bekräftigen wir unser gemeinsames Vorhaben, einen neuen starken Akteur im Erneuerbaren-Sektor zu schaffen. Das Gemeinschaftsunternehmen gründet auf einem Bestand, der zu den größten der Branche zählt, einem soliden Fundament aus erstklassiger Expertise und jahrzehntelanger Erfahrung in beiden Häusern, leidenschaftlichem Engagement überzeugter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und einem tadellosen Ruf bei unseren Partnern. Auf dieser Basis wollen wir zusammen wachsen und die Energiewende in Deutschland und international entscheidend voranbringen. Beide Häuser verbindet schon heute ein hoher Anspruch an sich selbst sowie ein klares Bekenntnis zu 100%-Erneuerbare, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Schöpfungserhalt. Indem wir nun unsere Kräfte bündeln, erhöhen wir erheblich unsere Schlagkraft, wovon letztlich die Umstellung der Energiesysteme auf Erneuerbare sowie der Klimaschutz profitieren.“

Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender EWE AG

„Wir haben in den vergangenen Monaten die Grundlagen für ein gemeinsames Unternehmen geschaffen, das ein entscheidender Akteur beim dringend nötigen Ausbau der Windenergieerzeugung in Deutschland und Europa sein wird. Dass wir heute an diesem Punkt sind, hat sich Schritt für Schritt in einem partnerschaftlichen Miteinander entwickelt. Wir wollen den Anteil Erneuerbarer Energien sektorenübergreifend, signifikant und dauerhaft erhöhen, weil der nachhaltige Umbau unserer Gesellschaft und ein klimaneutrales Europa ohne ausreichend grünen Strom nur ein frommer Wunsch bleibt. Unser in der Region verwurzeltes, gemeinsames Unternehmen wird daher auf Wachstum angelegt sein, die komplette Wertschöpfungskette abdecken und die langjährige Expertise beider Häuser zu neuer Stärke bündeln.“

Thekla Wobben, Vorsitzende des Beirates der Aloys Wobben Stiftung

„Die ENERCON-Gruppe ist vor über 35 Jahren angetreten, um einen Beitrag zur klimafreundlichen Energieerzeugung mit modernen Windenergieanlagen zu leisten. Trotz vieler Widerstände ganz unterschiedlicher Art kam es in den folgenden Jahrzehnten zu einer beispiellosen Entwicklung, die niemand so vorhersehen konnte. Heute werden wir gemeinsam mit der EWE die Voraussetzungen schaffen, um ein weiteres Kapitel hinzuzufügen: Ausgehend von einem einzigartigen Windparkportfolio kann das Gemeinschaftsunternehmen wesentlich mehr Potenzial entfalten und sich weitergehende Anwendungsmöglichkeiten für die Energiewende erschließen. Unseren Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele werden wir somit erheblich erhöhen.“

Bernhard Bramlage, Vorsitzender des EWE-Aufsichtsrates

„EWE blickt ebenso wie die Aloys Wobben Stiftung auf eine jahrzehntelange Tradition im Ausbau der Windenergie. Wesentliche Meilensteine der Energiewende sind seither hier in der Region entstanden. Das gemeinsame Unternehmen wird diesen erfolgreichen Weg fortschreiben. EWE verfolgt damit konsequent das zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und mehrheitlich kommunalen Anteilseignern vereinbarte strategische Ziel, im Bereich der Grünstromerzeugung aus Wind an Land deutlich zu wachsen und substantielle Beiträge zum Klimaschutz zu leisten. Wir haben dem Vorhaben daher gern und aus voller Überzeugung zugestimmt.“

Das neue Unternehmen wird über mehr als 2.300 Megawatt installierte Leistung im Bestand und eine Projektpipeline von über 9.400 Megawatt verfügen. Damit ist man Marktführer im Bereich Onshore Wind in Deutschland. Ziel ist es, mehr als 200 Megawatt Zubau jährlich zu realisieren und den Bestand auf bis zu 5 Gigawatt in 2030 zu steigern. Geplant ist, in den Kernmärkten den eigenen Anlagenbestand zu erweitern und darüber hinaus auch Kundenprojekte zu entwickeln. Außerhalb der Kernmärkte wird das Joint Venture, zu dem auch der Düsseldorfer Direktvermarkter Quadra Energy zählen wird, nur in geringem Umfang eigene Bestände aufbauen. Das Unternehmen verfolgt bei der Realisierung seiner Projekte einen herstellerunabhängigen Ansatz. Die unternehmerische Führung liegt bei EWE, den Vorsitz des Aufsichtsrates stellt die Aloys Wobben Stiftung.

AWS und EWE hatten ihre Pläne für eine Zusammenarbeit bereits Ende April öffentlich gemacht und angekündigt, wesentliche Eckpunkte bis Jahresende klären und vertraglich fixieren zu wollen. Im September initiierten die Partner gemeinsam einen Windgipfel in Aurich und unterzeichneten den von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies eingebrachten „Auricher Appell“. Darin forderten Politik und Wirtschaft in einem Schulterschluss die Beschleunigung des Ausbaus und die Anpassung gesetzlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen. EWE hat Anfang Dezember zudem verkündet, bis 2035 selbst klimaneutral zu werden.

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